LIES GROENING | Zenartblog

LIES GROENING

Lies Groening stammte aus Geseke in Westfalen. Zwischen 1966 und 1968 lebte sie im Shokokuji Zen-Kloster in Kyoto. Über diese Zeit schrieb sie ein wunderbares Buch:

Lektüre: „Die lautlose Stimme der einen Hand“

ZITATE VON LIES GRÖNING

Erst Jahre später erkannte ich, dass in der Gleichzeitigkeit des Geschehens in Sein und Zeit die ungeheure Kraft des Lebens sich offenbart. Dass ich in jedem Augenblick, in dem ich mich nicht an mir selbst festhalte, mein ganzes Leben lebe.

Ich bin kein Bild, ich bin Realität, so wie ich bin. Das was ich sein möchte ist Illusion.

Leben und Sterben sind ein und dasselbe. Der Tod ergreift mich, wie mich das Leben ergriffen hat; wenn ich mit dem Leben eins bin, bin ich eins mit dem Tod.

Der Meister sagte: “Es gibt kein Ziel. Du bist heute hier wie du bist. Wenn du nach einem Jahr Übung von hier weggehst, gehst du als dieselbe, die du heute bist. Zen ist tägliches Leben wie es ist. Wenn du glaubst, dass tägliches Leben und Zazen verschieden sind, so gehst du in eine falsche Richtung.”

Nicht dass wir Buddha zu werden versuchen und danach streben, sondern dass wir Buddha sind, ist das Eigentliche.

Schlafen ist sowenig lobenswert und sowenig tadelnswert wie wachen. Wir schlafen mit demselben Buddha-Herz mit dem wir auch im Wachen sind. Wir bleiben also stets das Buddha-Herz. Dasjenige, was wir nur im Wachen bei uns behalten und im Schlafen verlieren, ist keineswegs das Letzte und Höchste, sondern etwas Veränderliches und Vergehendes.

Nein, es gibt kein Ziel. Nimm auch Zazen nicht als Ziel. Du bist heute hier wie du bist. Wenn du nach einem Jahr der Übung von hier weggehst, gehst du als dieselbe, die du heute bist. Wenn du glaubst, dass tägliches Leben und Zazen verschieden sind, so gehst du in eine falsche Richtung.

Ich lebe innen, und ich sterbe innen – ich kann nicht von aussen nach innen leben, ich muss alles, was ich lebe, gleichzeitig in mir leben. Es gehört zusammen. Leben ist ein Ganzes, eine Einheit, die sich in mir vollzieht indem ich lebe.

Toleranz ist weder  moralisch noch unmoralisch, das heisst, ohne den leisesten Zusatz von Moral. Toleranz ist Toleranz und nichts daneben. In dieser inneren Struktur des Einsseins liegt die ungebrochene Kraft einer Handlung.

Alles Anwesende ist vollendet und abgeschlossen in diesem ungeborenen Buddha-Herz, alles Anwesende ist in Ordnung und Vollendung.

Man kann nicht wirklich neu sein, etwas Neues anfangen, wenn man zugestopft ist mit alten Dingen.

Und doch ist die Weise, alles zu rauben, die Zen-Weise, alles zu geben.

Und damit begann der Meister zu sprechen, eine lange Zeit. Ich sah ihn an, und während er sprach, geschah etwas in mir, was mir durch einen anderen Menschen noch nie geschehen war: Ich wurde ganz offen, frei. Ein innerer Schwebezustand breitete sich in mir aus. Ich hatte keine Gewichte mehr, ich hatte auch keine Scheu mehr. Ein Gefühl, frei zu sein, freigegeben zu sein, da, wo ich sonst niemals frei gewesen war, ergriff mich. Gleichzeitig fühlte ich mich in mich hineingestellt, in eine innere Sicherheit, die sich in mir auftat wie ein neuer, nie betretener Raum. Den Meister umgab eine Ferne, in der sich keine Zurückweisung verbarg, und eine Nähe, in der kein Heranziehen war.

Wir kennen weder das „Woher“ des Lebens, noch das „Wohin“ des Todes, wir kennen weder „vor“ der Geburt noch „nach“ dem Tod. Dass unser Leben in diese finstere Unkenntnis geworfen ist, das macht unser Leben tief angstvoll und fest gefesselt.

In der äussersten Konzentration auf die Mitte bleiben die Stimmen des Ichgefühls gleichermassen ohne Resonanz, sie werden gehört und nicht mehr gehört, ohne Bejahung und ohne Ablehnung, bis sie in sich selber zerfallen. Sie sind die Wolken, die über den Himmel ziehen und die Sonne verdunkeln, aber die Existenz der Sonne niemals berühren können.

In Materie und Geist als Einheit manifestiert sich das Leben schlechthin.

Ich verstand plötzlich, dass in der Einatmung, jedesmal neu, ein Anfang geschieht, ein Anfang des Lebens in mir, dass es die Kraft des Lebens in mir ist, die den Atem hereinholt, nicht mein Wille.

Jenseits von Wollen und Denken, von Gefühl und Empfindung ist die Kraft des Ursprungs. Auch in dir ist Ursprung, eine Kraft, die ist, wie sie ist, ohne Anfang und Ende, unwandelbar, unpersönlich. Eins sein mit dieser Kraft des Ursprungs: Das ist Zen.

Die Kraft, aus der heraus ich atme, ist unpersönlich wie die Luft, die ich einatme. Ich selber bin nur die Gestalt, durch die der Atem strömt und mich als menschliches Einzelwesen leben lässt.

In sich selber sein ist Leben und Sterben zugleich. Ist nicht jeder Atemzug Leben und Sterben? Bin ich nicht mitten im Sterben, wie ich mitten im Leben bin?

Je mehr ich von der Aufgabe und die Aufgabe von mir ergriffen wurde, umso reicher wurden der Tag, die Stunde, der Augenblick. Ich war mitten im Leben, in einer inneren Wachheit, die kein Vorher und kein Nachher verlangte.

Diese innere Quelle, einmal aufgebrochen, versiegt nicht mehr. Das innere Lebendigsein wird zu einem Reichtum, der unerschöpflich scheint. Oh Wunder des Lebens.

Tsujimura sagt: „Der Teufel existiert da, wo die Seele sich verdunkelt hat.“

Kataoka sagte:“Wenn es einen Teufel im Menschen gibt, gibt es auch einen Gott im Menschen“; beide müssen durchschritten werden.“

Wir hören oder sehen nicht mit dem Vorsatz, zu sehen oder zu hören. Vorher schon ist es ins Auge oder ins Ohr hineingekommen.

8 Kommentare zu “LIES GROENING

  1. Ich habe vor ungefähr 20 Jahren eines ihrer wunderbaren Bücher gelesen und hatte ihr damals über den Verlag eine Nachricht zukommen lassen wollen – von dort erfuhr ich, dass sie kurz zuvor verstorben war.

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